Die meisten Menschen sehen eine erfolgreiche Operation.
- Martina Dudle Snydr
- vor 1 Tag
- 2 Min. Lesezeit

Mich interessiert, was sie möglich macht.
Denn hinter jeder erfolgreichen Operation steht ein System aus Verantwortung, Zusammenarbeit und Entscheidungen.
Und genau darin steckt eine spannende Erkenntnis für Unternehmen.
Nach einer erfolgreichen Operation sprechen wir meist über die Chirurgin oder den Chirurgen.
... über Erfahrung.
... über Fachkompetenz.
... über Präzision.
Mich interessiert etwas anderes.
Mich interessiert, was hinter diesem Erfolg steht.
Denn eine erfolgreiche Operation ist nie die Leistung einer einzelnen Person.
Sie entsteht durch das Zusammenspiel vieler Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen, Verantwortlichkeiten und Aufgaben.
Chirurgie, Anästhesie, Pflege und Assistenz verfolgen dasselbe Ziel – und leisten dabei völlig unterschiedliche Beiträge.
Nicht jeder muss alles wissen
Was mich am Beispiel der Chirurgie fasziniert:
... nicht jeder im Operationssaal verfügt über dieselben Informationen
... nicht jeder trifft dieselben Entscheidungen
... nicht jeder trägt dieselbe Verantwortung
Und trotzdem funktioniert das Zusammenspiel.
Die Anästhesistin muss nicht operieren können.
Die Chirurgin muss nicht die Narkose führen.
Die OP-Pflege muss nicht beide Aufgaben übernehmen.
Die Stärke entsteht nicht dadurch, dass alle alles können.
Sie entsteht dadurch, dass jede Person ihren Beitrag kennt und ihre Verantwortung wahrnimmt.
Eine Erkenntnis, die auch für Unternehmen relevant ist.
Denn viele Organisationen versuchen unbewusst, Komplexität dadurch zu bewältigen, dass möglichst viele Menschen in möglichst viele Themen einbezogen werden.
Doch dadurch entsteht häufig das Gegenteil von Klarheit.
Gute Zusammenarbeit braucht Orientierung
In meiner Arbeit begegnen mir immer wieder ähnliche Situationen.
Entscheidungen werden mehrfach diskutiert.
Verantwortlichkeiten bleiben unklar.
Aufgaben werden weitergereicht.
Oder sie landen am Ende wieder bei der Geschäftsleitung.
Nicht weil Menschen nicht engagiert wären.
Sondern weil Orientierung fehlt.
... Wer entscheidet?
... Wer trägt die Verantwortung?
... Wer informiert wen?
... Wer darf handeln?
Je unklarer diese Fragen beantwortet sind, desto mehr Energie fliesst in Abstimmung statt in Wertschöpfung.
Klarheit schafft Handlungsfähigkeit
Im Operationssaal wird während einer Operation nicht darüber diskutiert, wer für welchen Bereich zuständig ist.
Diese Fragen wurden vorher geklärt.
Genau deshalb können Menschen in anspruchsvollen Situationen handlungsfähig bleiben.
Klarheit schafft Sicherheit.
Klarheit schafft Geschwindigkeit.
Und Klarheit reduziert unnötige Reibungsverluste.
Das gilt im Operationssaal ebenso wie in Unternehmen.
Fehler werden nicht verdrängt, sondern genutzt
Eine weitere Erkenntnis aus der Chirurgie finde ich besonders spannend.
Niemand geht davon aus, dass Menschen fehlerfrei arbeiten.
Deshalb werden Abläufe überprüft.
Checklisten eingesetzt.
Erfahrungen ausgewertet.
Und Verbesserungen umgesetzt.
Nicht weil Menschen versagen.
Sondern weil Menschen menschlich sind.
Die eigentliche Stärke liegt deshalb nicht in der Fehlervermeidung.
Sondern in der Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen.
Organisationen, die kontinuierlich besser werden wollen, brauchen genau diese Haltung.
Gute Systeme machen Menschen wirksamer
Wir schreiben Erfolge oft einzelnen Personen zu.
Der erfolgreichen Chirurgin.
Dem erfahrenen Experten.
Der starken Führungskraft.
Dabei übersehen wir häufig das System dahinter.
Die Vorbereitung.
Die Zusammenarbeit.
Die geklärten Verantwortlichkeiten.
Die Entscheidungswege.
Die Lernkultur.
Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren ermöglicht es Menschen, ihre Kompetenz wirksam einzusetzen.
Vielleicht beginnt wirksame Zusammenarbeit deshalb nicht bei den Menschen.
Sondern bei der Organisation.
Schaffen wir die Bedingungen, unter denen Menschen ihre Kompetenz wirksam einbringen können?




Kommentare